\"Heute geh' ich in den Krieg!\"
Theatertalk - Besuch aus dem Staatstheater
Boris Pietsch, den Schülern am AJG wohlbekannt als \"Mephisto\" in Goethes \"Faust\" und als \"Jeraiah Jip\", der versoffene Soldat aus Brechts \"Mann ist Mann\", stellte sich kürzlich in der Aula des AJG den Fragen interessierter Oberstufenschüler, die zuvor im Rahmen der Pflichtlektüre Deutsch beide Saarbrücker Aufführungen besucht hatten.
\"Heute geh' ich in den Krieg\" - Diese Phrase entstammt dem Munde des Leverkusener Schauspielers Boris Pietsch, der am Dienstag, dem 09.02.2010 in Begleitung von Holger Schröder, Schauspieldramaturg am Saarländischen Staatstheater, und dessen Praktikantin das Arnold-Janssen-Gymnasium in St.Wendel besuchte. Genau genommen drückte er mit diesem Satz das Gefühl und die Gedanken aus, die ihn vor einem Auftritt auf der großen Bühne durchströmen. Zwar stand er auch diesmal wieder vor einer relativ großen Menge, die immerhin die Jahrgänge 11 und 12 sowie deren Lehrer umspannte, doch von \"Krieg\" konnte keine Rede sein. Oder anders gesagt, wie Boris Pietsch Shakespeares Erfahrungen mit dem impulsiven, jungen Publikum so dezent formulierte, war von \"Hühnerknochen, die auf die Bühne geworfen wurden,\" auch keine Rede. Zu Beginn der Veranstaltung geschah jedoch leider erst einmal ...nichts! Die erwarteten Gäste aus dem Staatstheater trafen nämlich erst mit Verspätung ein, da sie sich in St.Wendel (!) verfahren hatten. Doch als Boris Pietsch mit Fellmütze und einem mit einem Schlips zugebundenen Mantel an der Seite des doch etwas frischer aussehenden Holger Schröder die Aula betrat, brandete heißer Applaus auf. Nach einer kurzen Begrüßung beider Seiten, nahm Boris Pietsch endlich auf dem Tisch Platz, da ihm die Stühle weniger behagten. Was ihm nicht so zusagte, war das bereitgestellte und seiner Meinung nach schrecklich klingende Mikrofon, das er mit der saloppen Bemerkung \"ihr müsst halt leise sein\" zur Seite stellte. Es sollte sich herausstellen, dass Boris Pietsch ein Meister im Umgang mit seiner eigenen Stimme ist. Zu seinem Glück musste er an diesem Tag aber nicht seiner ungeliebtesten Tätigkeit am Theater, dem Texte lernen, nachkommen, sondern er \"beschränkte\" sich darauf, gestellte Fragen mehr oder weniger knapp zu beantworten. Boris Pietsch wie auch Holger Schröder stellten sich beide sehr gut auf die Schüler vor ihnen ein und beantworteten die Fragen auf ihre eigene, kompetente Art und Weise. Vor allem Boris Pietsch sprach mit seinem Publikum auf gleicher Augenhöhe und zeigte zur Freude aller auch im realen Leben Wesenszüge seines Mephistos, der die Schüler in der Novemberaufführung so sehr begeistert hatte. Doch es war, wie Herr Schröder sagte: \"Das Publikum trägt im Theater einen großen Teil bei an der Gesamtstimmung.\" Schüler und Lehrer trugen ihren Teil an diesem Morgen insofern dazu bei, dass sie nie um eine Frage verlegen waren. Beispiele dafür sind die Fragen danach, wie viele Dosen Bier er in einer Aufführung von \"Mann ist Mann\" als Jeraiah Jip trinke (es sei jeden Abend nur eine einzige, der Rest sei alkoholfrei! Wer's glaubt!\") oder warum er als eben dieser immer grün angemalt sei. Einer seiner Kommentare dazu war: \"Ich schrubb mich immer noch wie so'n...\" Auf die Frage, ob er denn auch einen diabolischen Wesenszug wie Mephisto in sich trage, antwortete er: \"Ich wünschte ich wäre der erste Mensch gewesen, dann hätte ich mich erschossen.\" Wir sind jedenfalls herzlich froh, dass er nicht der erste Mensch war, da das in diesem Fall doch ziemlich schade gewesen wäre. Ein solch authentischer Boris Pietsch mit seinem ganz eigenen Humor und ein kompetenter Dramaturg wie Holger Schröder sind in den Hallen des Arnold-Janssen-Gymnasiums jedenfalls immer wieder gern gesehene Gäste, wofür auch der große Applaus gegen Ende der kurzweiligen Doppelstunde sprach. Wenn Theater von diesen individuellen, aber zeitnahen Persönlichkeiten gestaltet wird, ist Theater etwas, das gerade junge Menschen wie Schüler nicht abschrecken muss. Zu Boris Pietsch derzeitigem Sparte-4-Projekt sagte dieser jedenfalls: \"Es ist so amerikaner-...deftiger-...Country-...Rock-...\"
Wir wünschen den beiden Theatermenschen weiterhin tolle Produktionen, viel Erfolg und ein hoffentlich immer volles Haus in Saarbrücken!
Ann-Kathrin Brill, Klasse 11
